Die Jury der Hamburger Literaturpreise 2026 hat die Shortlist in der Kategorie »Buch des Jahres« und die Shortlist in der Kategorie »Sachbuchpreis der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS« bekanntgegeben.
In der Kategorie »Buch des Jahres« wird eine im Wettbewerbsjahr erschienene Publikation aus dem Bereich Belletristik einer Hamburger Autorin oder eines Hamburger Autors ausgezeichnet. Der Preis ist mit 8.000 Euro dotiert.
Die Kategorie »Sachbuchpreis der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS« zeichnet eine im Wettbewerbsjahr erschienene Publikation aus dem Bereich Sachbuch einer Hamburger Autorin oder eines Hamburger Autors aus. Der Preis ist mit 8.000 Euro dotiert. Das Preisgeld wird von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS gestiftet.
Die Entscheidung über die Preisvergabe fällt Anfang November.
Über die Vergabe entscheidet eine unabhängige fünfköpfige Jury, die jährlich neu zusammengesetzt wird. Dieses Jahr in der Jury sind Autorin und Buchhändlerin Can Mayaoglu (Buchhandlung im Literaturhaus), Literaturübersetzerin und Vorjahrespreisträgerin Kirsten Gleinig, Autorin und Mitglied des writer`s room e. V. Silke Tobeler, Direktor des Instituts für Germanistik Prof. Dr. Tobias Kurwinkel und Harriet Dohmeyer, Verlegerin des Ankerwechselverlags.


Schöffling & Co
272 Seiten, 25 ,– Euro
August 2026
Mirko Bonné
»Kanzlerkino«
Roman
Die Bonner Republik zur Wendezeit: DDR-Flüchtling Bernd Vomturm macht Karriere im Regierungsviertel und wird dort zum gefragten »Mann fürs Glas«. Verantwortlich für die Fassaden des Kanzlerbungalows, erhält er tiefe Einblicke in das Leben und Umfeld des Bundeskanzlers Viktor Breugel. Während der Pfälzer Kanzler als leidenschaftlicher Cineast seine Politik wie einen Film inszeniert, benötigt seine Gattin Harriet aus gesundheitlichen Gründen dringend mehr Licht. Und Vomturm, der eine Liebesgeschichte mit der Schwägerin des Kanzlers beginnt, entwirft bereits die Architektur einer neuen Zeit: ein visionäres Haus für den Kanzler am Rande Berlins.
Zugleich reichen lange Schatten von Ost nach West. In Chemnitz führt Lutz Reinmar, Vomturms alter Freund, heimlich dessen Stasi-Akte fort – verstrickt in eine fatale Mischung aus Eifersucht und Verrat, droht manch ein Konstrukt zu zerbrechen.
Mirko Bonné hat einen großen Roman über ein Land im Dazwischen und die Suche nach sich selbst geschrieben. Wie ein literarisches Prisma fächert Kanzlerkino unvereinbare Wahrheiten auf, verfolgt das Zersplittern menschlicher Träume.

Mirko Bonné, geboren 1965 in Tegernsee, lebt in Hamburg und der Provence. Für seine Übertragungen aus dem Französischen und Englischen, u. a. von Joseph Conrad, John Keats, Grace Paley und Oscar Wilde, erhielt er zuletzt den Hamburger Literaturpreis für Übersetzung 2020. Für sein schriftstellerisches Werk, das neben vielbeachteten und wiederholt für den Deutschen Buchpreis nominierten Romanen auch Lyrik und Essays umfasst, wurde er u.a. mit dem Prix Relay (2008), dem Marie Luise Kaschnitz-Preis (2010), dem Rainer Malkowski-Preis (2014) und einer Nominierung für den Alfred-Döblin-Preis (2019) ausgezeichnet. Von der Hansestadt Hamburg erhielt er den Hubert-Fichte-Preis 2024 für sein Gesamtwerk, 2025 den Hannelore-Greve-Literaturpreis..


Hanser
415 Seiten, 27,– Euro
Februar 2026
Norbert Gstrein
»Im ersten Licht«
Roman
Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes Leben zerbrechlich in diesem Roman, der mit einem Axthieb beginnt: Adrians Vater macht ihn als Jugendlichen untauglich für den Ersten Weltkrieg, rettet ihn so vielleicht. Der störrische, zärtliche Mensch, der von da an durch über achtzig Lebensjahre hinkt, ist das Wunder dieses Erzählens. Adrian sieht zweimal seine Welt untergehen, hat zweimal mit jungen Männern zu tun, die weniger Glück hatten als er, und erlebt im Alter die unverhoffte Liebesgeschichte eines Mannes, der zu allem erzogen wurde, bloß nicht zum Lieben. Wie leben im Schatten der Kriege und des Tötens? Mit einem furchtlosen Blick in die Vergangenheit stellt sich »Im ersten Licht« dieser großen Frage der Gegenwart.
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Norbert Gstrein, 1961 in Tirol geboren, lebt in Hamburg. Er erhielt u.a. den Alfred-Döblin-Preis, den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, den Uwe-Johnson-Preis, den Österreichischen Buchpreis 2019, den Düsseldorfer Literaturpreis und den Thomas-Mann-Preis. Bei Hanser erschienen »Die Winter im Süden« (Roman, 2008), »Die englischen Jahre« (Roman, Neuausgabe 2008), »Das Handwerk des Tötens« (Roman, Neuausgabe 2010), »Die ganze Wahrheit« (Roman, 2010), »In der Luft« (Erzählungen, Neuausgabe 2011), »Eine Ahnung vom Anfang« (Roman, 2013), »In der freien Welt« (Roman, 2016), »Die kommenden Jahre« (Roman, 2018), »Als ich jung war« (Roman, 2019), »Der zweite Jakob« (Roman, 2021), mit dem er für den Deutschen Buchpreis nominiert war, sowie zuletzt »Vier Tage, drei Nächte« (Roman, 2022), »Mehr als nur ein Fremder« (2023) und »Im ersten Licht« (2026).


Kiepenheuer & Witsch
240 Seiten, 23,– Euro
Februar 2026
Nefeli Kavouras
»Gelb, auch ein schöner Gedanke«
Roman
Ein wunderbares Buch über eine Mutter-Tochter-Beziehung in einer nicht enden wollenden Ausnahmesituation, mal zärtlich und poetisch, mal wütend, humorvoll und sehr direkt erzählt mit einer überraschenden Wendung, die das Ende eines Lebens und unseren Umgang damit in ein völlig neues und unbekanntes Licht rückt.
Georg stirbt, und das schon viel zu lange. Während Ruth ihren Mann selbstvergessen zu Hause pflegt und sich darüber von ihrer fünfzehnjährigen Tochter Lea entfremdet, möchte die endlich Normalität und ungebremst ein jugendliches Leben führen. Ruth und Lea brauchen sich, driften aber immer weiter voneinander weg. Und dann passiert etwas mit Georg, mit dem keiner gerechnet hat.

Nefeli Kavouras, geboren 1996 in Bamberg, studierte Kulturwissenschaften in Lüneburg. Sie arbeitet für den mairisch Verlag, kuratiert das Literaturprogramm der »altonale«, führt mit Anselm Neft den Literaturpodcast »laxbrunch« und moderiert und organisiert regelmäßig Lesungen. 2023 wurde sie für ihr Romanmanuskript mit dem Hamburger Literaturpreis ausgezeichnet. 2025 las sie auf Einladung von Laura de Weck daraus einen Auszug bei den 49. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt.


S. Fischer
304 Seiten, 24,– Euro
August 2026
Jarka Kubsova
»Im Licht des neuen Tages«
Roman
Als Elli Hajek sich zum Schreiben in ein abgelegenes Haus zurückzieht, erinnert sie sich an eine Figur, von der ihr einst ihre tschechische Großmutter erzählte: Viktorka, die junge Frau, die nach einem schwerwiegenden Ereignis für wahnsinnig erklärt wurde und fortan allein im böhmischen Wald lebte. Als Elli erfährt, dass Viktorka wirklich existierte, reist sie in das Land, aus dem sie selbst als Kind geflohen ist. Elli will mehr erfahren – doch tief im Wald, zwischen leuchtendem Farn und reißendem Fluss, wartet eine andere Aufgabe auf sie: Bevor sie die Wahrheit über Viktorka erfährt, muss Elli sich ihrer eigenen verdrängten Geschichte stellen.
Eine große, leuchtende Geschichte um Gerechtigkeit und Vergangenheit, weibliche Geschichtsschreibung und den Mut zur Wahrheit.

Jarka Kubsova wurde 1977 in der ehemaligen Tschechoslowakei geboren, seit 1987 lebt sie in Deutschland. Sie arbeitete als Journalistin, Ghostwriterin und Co-Autorin mehrerer erfolgreicher Sachbücher. 2021 erschien ihr Debütroman »Bergland«, 2023 folgte der Roman »Marschlande«, der für das Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen nominiert war und am Theater inszeniert wurde. Jarka Kubsova lebt in Hamburg.


Kein & Aber
400 Seiten, 26,– Euro
Februar 2026
Daniel Mellem
»Einstein im Bade«
Roman
In Bad Nauheim führt Direktor Kleeberger sein Hotel Rastender Kranich seit Jahrzehnten als Refugium vor den Turbulenzen der Zeit. Die Ruhe droht gestört zu werden, als im Jahr 1920 im beschaulichen Kurort die Versammlung Deutscher Naturforscher mit über zweitausend Teilnehmenden ansteht. Die neue Relativitätstheorie hat die wissenschaftliche Gemeinde gespalten, und die beiden ärgsten Kontrahenten Albert Einstein und Philipp Lenard sind ausgerechnet im Rastenden Kranich einquartiert.
Kleeberger wittert eine Chance: Wäre es nicht die beste Werbung für sein veraltetes Hotel, wenn er den Streit dort schlichten würde? Doch hinter fachlichen Differenzen lauern ungeahnte Abgründe, und der Tee, der im Rastenden Kranich einst Bismarck in den Schlaf wiegte, wird kaum ausreichen, um die Gemüter zu besänftigen. Zwischen Schlichtungsversuchen und dem Bemühen, es allen Gästen recht zu machen, entgleitet Kleeberger nach und nach die Kontrolle über sein Hotel.
Mit Humor und erzählerischer Leichtigkeit lässt Daniel Mellem in einem ruheversprechenden Hotel Stammgäste und bedeutende Wissenschaftler aufeinanderprallen. Schnappen Sie sich ein Handtuch, und versuchen Sie, gemeinsam mit Einstein im Badehaus 3 zu entspannen!

Daniel Mellem wurde 1987 geboren. Er promovierte in Physik, bevor er sich am Deutschen Literaturinstitut Leipzig seinem ersten Roman widmete. Für »Die Erfindung des Countdowns«(2020) erhielt er den Retzhof-Preis für junge Literatur und den Hamburger Literaturförderpreis. Der Roman war zudem »NDR Buch des Monats« und nominiert für den Debütpreis des Harbour Front .



Goldmann
288 Seiten, 22,– Euro
März 2026
Ruth Hoffmann
»Raubzug von rechts«
Von vielen unbemerkt verschwinden immer mehr Tiere und Pflanzen aus unserer Umwelt, was unsere Lebensgrundlagen zunehmend gefährdet. Der bekannte Evolutionsbiologe Matthias Glaubrecht klärt seit Jahren über die Bedeutung der Artenvielfalt und die verheerenden Folgen des Artensterbens auf. Hier beschreibt er Gründe, warum wir die Krise der Biodiversität zu wenig wahr- und zu wenig ernst nehmen: Wir fokussieren zu sehr auf den Klimawandel, hinzu kommen das Versagen des klassischen Naturschutzes und eine oft verfehlte Wissenschaftspolitik, die ökologische und biosystematische Forschung zu wenig fördert. Glaubrecht ruft dazu auf, endlich zu handeln: das heißt, ausreichend große Naturschutzgebiete konsequent für funktionierende Lebensgemeinschaften zu schützen, zu renaturieren und die Biodiversitätsforschung voranzutreiben.

Ruth Hoffmann ist Historikerin und Journalistin, sie schreibt für verschiedene Medien, darunter Spiegel, Geo und Stern, über jüngere deutsche Geschichte, ihre Aufarbeitung und Verdrängung – und ihren anhaltenden Nachhall in unserer Gesellschaft. In ihrem 2024 erschienenen Buch Das deutsche Alibi setzt sie sich kritisch mit der politischen Instrumentalisierung des Stauffenberg-Attentats, auch durch die Neue Rechte, auseinander. Es wurde für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert und mit dem Sachbuchpreis der Zeit Stiftung Bucerius ausgezeichnet. Ruth Hoffmann lebt mit ihrer Familie in Hamburg.



Nagel und Kimche
224 Seiten , 24,– Euro
Oktober 2026
Anne Otto
»Die Eleganz der Zuwendung«
Fürsorge ist ein gesellschaftlicher Kraftkleber. Und dennoch ist die »unsichtbare Care-Arbeit« fast schon sprichwörtlich geworden. Im beruflichen Kontext wird sie oft mäßig bezahlt, im Privaten erscheint uns etwa der Alltag mit Kindern oft banal, obwohl er essenziell ist. Ausgehend von ihren vielfältigen Rollen als Freundin, Mutter, Tochter, Therapeutin fragt Anne Otto facettenreich, umsichtig und sprachlich so präzise wie kunstvoll: Wie können wir lernen, Zuwendung, wo immer sie stattfindet, klar wahrzunehmen? Denn nur über das, was wir wirklich sehen, können wir sprechen. Und nur die Dinge, die wir in Worte zu fassen wissen, können wir würdigen. Wie geben wir der Zuwendung den gesellschaftlichen Ort, an dem sie für uns alle vor allem dies wird: eine unerschöpfliche Superkraft?

Anne Otto, geboren 1970, ist Diplom-Psychologin und Wissenschaftsjournalistin. Nach dem Psychologie-Studium und einer Therapie-Ausbildung im Bereich „Psychodrama” arbeitete sie zunächst mehrere Jahre als Klinische Psychologin – unter anderem in einer Jugend-Wohngruppe und in einem Frauengefängnis. 2002 wechselte sie in den Journalismus. Sie hat mehrere Sachbücher zu psychologischen Themen veröffentlicht, schreibt seit etlichen Jahren für Zeitschriften und Magazine wie Spiegel Wissen, Psychologie Heute und Brigitte. Sie berät und begleitet Menschen in Krisen und Veränderungsprozessen, ist Seminarleiterin und Speakerin.



Piper
288 Seiten, 24,– Euro
April 2026
Ursula Schröder
»Schutz in Krisenzeiten«
Krieg und Klimakrise stellen unsere Sicherheit auf die Probe. Wie kann der Staat uns noch schützen – wo können und müssen wir selbst Verantwortung übernehmen? Möglichkeiten gibt es genug, etwa als Ehrenamtliche in Hilfsorganisationen. Ursula Schröder analysiert staatliche Schutzmechanismen und zeigt, wie wir sie für die Zukunft stärken können. Sie verbindet sicherheitspolitische Expertise mit konkreten Vorschlägen für kooperative und inklusive Formen gesellschaftlicher Einbindung in Katastrophenschutz und Verteidigung. Ihr Buch fordert zum Handeln auf und hilft, die Resignation zu überwinden.

Ursula Schröder ist wissenschaftliche Direktorin des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH) und Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg.



Siedler
400 Seiten, 28,– Euro
Mai 2026
Christian Schüle
»Die Jagd nach der Muskatnuss«
Am 2. März 1602 schlug die Geburtsstunde der ersten Aktiengesellschaft der Welt: In Amsterdam entstand die legendäre Vereinigte Ostindische Compagnie, kurz VOC – ein privat organisiertes Unternehmen, das im Auftrag der niederländischen Republik in den Gewürzhandel mit Asien einstieg, in Ostindien ein weitreichendes Handelsnetz aufbaute und sich zur Kolonialmacht entwickelte: Sie sicherte Monopole, siedelte Niederländer an, zwang die einheimische Bevölkerung zur Unterwerfung und richtete Massaker an. Die aus Asien eingeführten Waren wie Pfeffer, Muskat und Gewürznelken waren in Europa zeitweise kostbarer als Gold.
In seinem neuen Buch erzählt Christian Schüle anhand historischer Quellen, originaler Reiseberichte und eigener Recherchen nicht nur vom faszinierenden Aufstieg der VOC bis zu ihrem Niedergang gut 200 Jahre später, sondern reflektiert auch darüber, wie der moderne Kapitalismus entstand, wie europäischer Kolonialismus etabliert wurde und auf welchem Weg die Globalisierung in die Welt kam und entwirft dabei ein lebendiges Panorama des Goldenen Zeitalters der Niederlande.

Christian Schüle, geboren 1970, ist Philosoph, freier Autor und Publizist. Er schrieb für National Geographic und GEO; seine Essays, Feuilletons und Reportagen erscheinen u. a. in ZEIT, mare, Deutschlandfunk und Bayerischer Rundfunk und wurden vielfach ausgezeichnet. Seit 2015 lehrt Christian Schüle Kulturwissenschaft an der Universität der Künste in Berlin. Er hat eine Reihe viel diskutierter und markanter Debattenbücher zu aktuellen Themen veröffentlicht, von »Deutschlandvermessung« bis »In der Kampfzone: Deutschland zwischen Panik, Größenwahn und Selbstverzwergung«. Sein philosophischer Essay »Vom Glück, unterwegs zu sein« war ein Überraschungserfolg. Wenn er nicht in der Welt unterwegs ist, lebt er in Hamburg und München.



C.H. Beck
428 Seiten, 32,– Euro
März 2026
Volker Ullrich
»Helmuth James von Moltke«
Biografie
Widerstand gegen die Hitler-Diktatur – das forderte den ganzen Menschen. Das war eine Sache von Leben und Tod. Das hieß, den Lockungen eines unbeschwerten Familienlebens und einer verheißungsvollen Karriere zu entsagen. Das hieß, die Angst zu überwinden und sich täglich zu rüsten für den Kampf gegen ein menschenverachtendes Regime. All das verlangte viel Mut, große innere Unabhängigkeit, ein sicheres Empfinden für Recht und Unrecht und einen verlässlichen moralischen Kompass. Helmuth James von Moltke, der Kopf des Kreisauer Kreises, war einer der wenigen, die diese Eigenschaften mit sich brachten. In seiner neuen, glänzend geschriebenen Biographie erinnert Volker Ullrich an den großen Widerstandskämpfer und zeigt, dass sein Beispiel unserer Zeit mehr zu sagen hat, als uns lieb sein kann.

Volker Ullrich ist promovierter Historiker und leitete von 1990 bis 2009 bei der Wochenzeitung Die ZEIT das Ressort “Politisches Buch”. Er hat eine ganze Reihe von einflussreichen historischen Werken vorgelegt, darunter “Die nervöse Großmacht. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs 1871 – 1918” (1997) und eine hochgelobte zweibändige Hitler-Biographie (2013 und 2018), die in viele Sprachen übersetzt wurde. Volker Ullrich erhielt 1992 den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik und 2008 die Ehrendoktorwürde der Friedrich-Schiller-Universität Jena.